Meine ersten Begegnungen mit Bienenvölkern

Bienenhaus
Bienenhaus

Eigentlich begann alles mit einem Klassenausflug in der Grundschule und dem Besuch eines Bienenhauses. Der feine Geruch, den die Bienen dort verströmten, verstärkten in mir als ausgesprochenem „Honigschlecker“ den insgeheim gehegten Wunsch, einmal eigene Bienen zu besitzen. 1985 machte ich schließlich ernst: in Lindau-Oberreitnau am Bodensee startete ich mein neues Hobby mit einem entdeckten Bienenschwarm, weiteren eingefangenen Schwärmen und fünf Blätterstöcken (speziellen Bienenkästen). Schon im folgenden Jahr besaß ich zwölf gut überwinterte Bienenvölker. Durch den Zukauf weiterer Blätterstöcke und das Einfangen teils sehr großer Schwärme, die keiner wollte, war ich plötzlich bei der stattlichen Anzahl von 21 Bienenvölkern.

Zu dieser Zeit „honigte“ der Wald sehr stark, so dass eine Woche nach dem ersten Schleudern Bienenbärte (Bienentrauben) wie Schwärme vor den Fluglöchern hingen, die immer größer wurden. Ratlos rief ich eine alte Imkerin herbei, die bei diesem Anblick die Hände über dem Kopf zusammenschlug und ausrief: „Ja bei Ihnen honigen ja auch die Zaunpfähle. Sagen Sie das ja nicht weiter, denn der Neid unter Imkern ist sehr groß.“ Für mich war das ganze ein einmaliges Erlebnis. Ich rüstete meine alte Honigschleuder schnellstmöglich von der Handkurbel auf einen elektrischen Antrieb um, kaufte alle Honigeimer auf, die ich bekommen konnte und erntete in diesem einen Jahr fast 2500 kg Honig.

Doch dieser Erfolg hielt nicht an. Im folgenden Jahr wurde auch der Landkreis Lindau von der Varroa-Milbe, die sowohl die erwachsenen Bienen als auch die Brut befällt und vernichtet, langsam heimgesucht. Meine Bienen wurden ebenfalls von ihr befallen. Amtlich vorgeschrieben wurde nun die Bekämpfung der Milbe mit chemischen Mittel. Anfangs beugte ich mich den Vorschriften. Als ich jedoch von Kollegen von den Nebenwirkungen dieser Behandlung mit chemischen Mitteln erfuhr, stellte ich die Behandlung ein und verlor somit immer mehr Völker an die Varroa-Milbe. Durch diesen herben Verlust verlor ich schließlich auch die Freude am Imkern. Ich konnte keinen selbst geernteten Honig mehr genießen und weitergeben. Nachdem meine letzten Völker den Winter nicht überlebten, warf ich das Handtuch. Insgeheim hoffte ich jedoch, dass die Milbe eines Tages ausgerottet wird.


Durch meinen Sohn bekam ich wieder Freude am Imkern

Bienenschwarm
Bienenschwarm

Als im Jahr 2005 bei meinem Sohn Michael ebenfalls das Interesse an Bienen erwachte, fing ich wieder an, mich mit den Bienen zu befassen, vor allem mit der biologisch unschädlichen Varroa-Behandlung der Bienen mit Ameisensäure und Oxalsäure. Viele Jahre später bekam ich als langjähriger Imker die Genehmigung, am schönsten Platz auf einer Anhöhe von Weißensberg in rundum sonniger Lage und einem einzigartigem Blick auf den Weißensberger Weiher, das Alpenpanorama der Schweizer Berge und den Bodensee ein großräumiges und voll funktionsfähiges Bienenhaus nach meinen Vorstellungen zu bauen.
Alles weitere sagen die folgenden Bilder:

Weißensberg liegt am Rande des Allgäus und ist mit seinen Naturschutzgebieten im Umkreis, den naturnahen Wiesen, den Streuobstwiesen mit alten Obstbäumen und den Waldungen ein ideales Trachtgebiet (Honiggebiet) für die Bienen. (Die Tracht ist der Honig, den die Honigbienen in den heimischen Bienenstock einbringen und nicht selbst verbrauchen, so dass dieser Anteil durch die Imkerei geerntet werden kann.) Im Frühjahr besteht die Haupttracht bei guter Witterung aus Löwenzahnblüten, Wildkirsche, Ahorn, Weißdorn, Schlehen und den alten Obstbäumen der Streuobstwiesen sowie einer Vielzahl von Begleitblüten aus Wald und Flur und den umliegenden Feuchtgebieten. Die Sommer- und Spättracht besteht aus Himbeere, Brombeere, Faulbaum, Wald- und Wiesenblumen, Edelkastanie, Akazie, Linde sowie aus dem Honigtau von Weißtanne, Tanne, Fichte, Ahorn, Eiche, Linde , Efeu, Balsamiene und weiteren Begleitblüten. (Honigtau ist eine zuckerhaltige Ausscheidung von an Pflanzen saugenden Insekten.)

Mein Sohn hat sein Bienenhaus in Sichtweise von meinem und wir beide imkern seit Jahren sehr erfolgreich. Ab Ende Mai wandern wir mit einem Großteil unserer Bienenvölker ins Allgäu bis nach Oberstdorf. Dort stehen die Völker bis zum Ende der Löwenzahnblüte im Tal. Anfang Juli 2015 wanderten wir mit den Bienen zum ersten mal mit einer Sondergenehmigung in die Alpenrosenblüte zum Fellhorn auf eine Höhe von ca. 1700 Meter. Trachtpflanzen des Fellhorngebietes sind unter anderem die Alpenrose, Enzianarten, Distelarten, Arnikablüten, Heidelbeere, Küchenschelle, Windröschen, Silberwurz, Augentrost, Wundklee, Johanniskraut, Gamswurz, Aurikel, Steinbrech, Sonnenröschen, Schneeheide, Alpendost, Alpenthymian, Heckenrose und Teufelskralle. 2015 war der Jahrhundertsommer und somit hatten wir das Glück, gleich zweimal reichlich zu schleudern. Alpenrosenhonig und Hochgebirgs-Alpenhonig sind eine besondere Rarität, da das Wetter in den Bergen oft sehr wechselhaft ist, Schneefall und Kälte keine Seltenheit sind und die Bienen nicht mal den Honig für sich selbst sammeln können und gefüttert werden müssen. So ist es eine gewisse Liebhaberei, an diesen doch so wertvollen und schmackhaften  Honig zu gelangen.